Burda-Schnittmuster. Man hört viel davon und liest immer wieder, dass es nicht einfach ist, dahinter zu steigen, was man tun soll. Ich habe mich Jahre gewehrt und nun doch zugegriffen. Den Schnitt 7260 in Variante B für das Neckholderkleid habe ich dazu auserkoren, Grundlage für mein zweites Hochzeitsgastkleid zu sein. Das erste Hochzeitsgastkleid, das ich mir vor drei Jahren genäht hatte, war nicht anlassgerecht, denn es war zu "farbig", zu freizügig und passte vom Stil her nicht wirklich zu dieser Hochzeitsgesellschaft. Ja, sie erforderte sozusagen einen Burda-Schnitt.
Und ja, es war nicht einfach für mich. Und eine dicke Panne kam auch noch hinzu, wie das Leben halt so spielt... Viskose war mein Favorit. Den habe ich mir in einem gesetzten Farbton bei Elsbeth & ich ausgesucht. Atelier Brunette hat ihn gefertigt und wie ich rückblickend feststelle, habe ich schon vor Längerem von Kleidungsstücken daraus bei anderen Nähbloggerinnen geschwärmt - ganz ohne wissen, dass wir auch noch zusammen kommen. Zwei womöglich farblich passende nahtverdeckte Reißverschlüsse hatte ich auch schon bestellt und dann den Schnitt online gekauft. Kurz vor knapp fiel mir auf, dass ich auch noch Futterstoff benötige. Das stand erst im Schnitt selbst und nicht im empfohlenen Stoffverbrauch auf der burda-Webseite....
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| Hier noch mit viel zu weitem Gürtel ;-\ |
Da ich nach Eintreffen der Ware hier vor Ort feststellte, dass ich ja noch ein farblich passendes Garn zum Absteppen sowie Knöpfe benötigte, bin ich in einen unserer Stoffläden gehuscht und habe mir obendrein noch einen wirklich farblich passenden Reißverschluss gekauft, denn grau und dunkelblau passten doch nicht zum Stoff, und natürlich Futterstoff in ausreichender Menge.
Die Schritte habe ich mir teils an meine Vorstellungen angepasst, denn der Schnitt sah eine Versäuberung mit Schrägband an den Armausschnitten vor. Warum, fragte ich mich, wenn doch ein Nähen mit Futterteil diesen Schritt komplett überflüssig machte? Das Futter habe ich im Armbereich also direkt an den Hauptstoff genäht. Der Kragen fasst die Oberkanten sauber ein, so dass da alles einfach nur perfekt aussieht. Und wo wir gerade beim Kragen sind, der ist zu hoch. Kann man vorher feststellen, ich weiß, aber es sollte erwähnt sein. Auf den Tragebildern ist der Kragen einmal umgeklappt, was leider auch die wundervollen Knöpfe verdeckt.
In der Anleitung fehlen teils Angaben, ob das Schnitt-Teil ein Futterstoff-Stück benötigt oder nicht. Da muss man sich mit Besonnenheit und Geduld durchhangeln. Gerade wie Kragen und Gürtel genäht werden sollen, hat viel auf Experimentierfreudigkeit gefußt. Am Ende ist ja glücklicherweise ein schönes Kleidungsstück heraus gekommen.
Die Panne, ach ja! Der Supergau, könnte man sagen... Am Abend vor der Hochzeit war mein Kleidchen nun fertig gestellt. Um 22 Uhr war alles getan. Ich drehe das Kleid um, ziehe stolz den Reißverschluss hoch, der an der Taillennaht beim Gummiband IMMER Schwierigkeiten machte (echt eine saublöde Stelle: Gummiband, Tunnel, Futter UND der nahtverdeckte Reißverschluss!!!), und er platzt auf! Großes Loch: Zipper oben, Reißverschlussende unten und nichts geht mehr. Das Ding war unrettbar. Der eine oder andere hat sowas sicher schonmal erlebt und weiß, welche Gefühlswellen einen dann durchströmen....
Es half nichts. Mit Engelsgeduld, welche mir in solchen Situationen üblicherweise schon gar nicht gegeben ist, trennte ich den 60 cm langen, farblich super passenden und perfekt eingenähten Reißverschluss bei Funzelbeleuchtung aus meinem zarten Viskosestoff. Oscar-verdächtige Selbstbeherrschung. Ich trennte auch oberhalb die sauber vernähten Kanten von Ober- und Futterstoff, damit ein neuer Reißverschluss eingesetzt werden konnte. Eine Stunde kostbarer Lebenszeit. Dann habe ich das graue RV-Exemplar meiner online-Bestellung gegriffen und eingenäht. Um den Engpass an der Taille zu umgehen, habe ich dort die Nadelstellung so versetzt, dass ich nicht mehr unter der Rollkante genäht habe. Außerdem wurden vorab die gräßlichen knubbeligen Stellen an der Tunnelnaht extrem zurück geschnitten. Das war schon nicht mehr feierlich.
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| Der Engpass heute... |
Am Schlitz oberhalb des Reißverschlusses habe ich wieder per Hand Futter- und Oberstoff geschlossen. Es war mittlerweile 1 Uhr nachts und die Vernunft schrie mich aus voller Kehle an, endlich Schluss zu machen und das Futter nicht mehr an den Reißverschluss zu tackern. Man sieht es ja nicht. Stimmt auch. Das musste warten. Tut es bis heute, knapp
Fazit: ein schickes Teilchen ist es geworden, der Schnitt ist Festtags-tauglich. Er wird wieder genäht, weil Erfahrung bereits vorhanden ist. Die Passform ist auch gut, da aber viel gerafft wird, kommt es sicher auf den Zentimeter nicht an. Armausschnitte und Kragenweite sind genau richtig und engen nicht ein, schlabbern auch nicht herum. Leider beult sich der Reißverschluss im Rücken oberhalb der Taille etwas. Liegt bestimmt an der Weite. Da weiß ich noch nicht, wie ich dem beikommen kann. Und der Gürtel war für mein Mittenmaß etwas zu weit, also musste ich jetzt noch die Knöpfe versetzen. Auf der Feier habe ich den Gürtel dann einfach weg gelassen, weil er so doof rutschte.
Noch schnell ein paar Detailfotos... Die eigentliche Farbe des Stoffes ist tatsächlich recht schwer mit der Kamera einzufangen. Der Farbton hier im Gürtelfoto gibt ihn eigentlich am Besten wieder. Und die Knöpfe, sind die nicht ein Traum?!
Die Krageninnenseite wurde per Hand angenäht, ebenso wurden die Kanten des Schlitzes oberhalb vom Reißverschluss manuell geschlossen.
Ein paar mehr Tage Freiraum wären nicht schlecht gewesen, besonders um eine Panne entspannter auszugleichen. Das liegt ja aber an meiner Organisation und da gibt es leider selten 20% Leerlauf für sowas. Das kann man sich ja auch einmal vornehmen und nicht immer nur, die Dinge, die noch zu tun sind.
Cheerioh, sag ich!!! Auf das Leben und wie es zu leben ist <3
Schnitt: Burda 7260 B, Neckholderkleid
Stoff: gar nicht so flutschige Viskose Moonstone green von Atelier Brunette, gekauft bei Elsbeth & ich
Futterstoff und Knöpfe: aus dem örtlichen Stoffladen
Reißverschluss: 60 cm nahtverdeckt von Schneidereibedarf Werner
Verlinkt zu anderen tollen Nähwerken beim Me Made Mittwoch.





















































